Meine Farbpalette – Ordnung, Intuition und die Magie der Ölfarbe
- Katja Burkhardt
- 21. Aug. 2025
- 2 Min. Lesezeit

Jeder Künstler hat seinen eigenen Rhythmus, seine eigenen Rituale – und für mich ist das Ordnen meiner Farbpalette eines der grundlegendsten und persönlichsten Rituale. Noch bevor der Pinsel die Leinwand berührt, beginnt die Geschichte hier: auf einer oft benutzten Glaspalette, die mit Erinnerungen, Intuition und Absicht gefüllt ist.
Meine Ölfarben sind nicht nur praktisch, sondern spiegeln auch meine Gedanken und Gefühle beim Malen wider. Warme Farben – diese kräftigen, leuchtenden Pigmente, die vor Energie pulsieren – stehen im Vordergrund meiner Palette. Sie sind meine bevorzugten Farbtöne, wenn ich Emotionen zum Ausdruck bringen möchte: feuriges Rot, tiefes Orange, strahlendes Ocker und erdiges Siena. Sie geben in meinen Kompositionen oft den ersten Schritt und prägen die Stimmung, die Wärme, die Präsenz.
Im Gegensatz dazu ruhen die kühlen Farben ruhig im Hintergrund. Blau, Grün, Violett – Töne, die Tiefe, Distanz und Atmosphäre vermitteln. Sie sind meine Raumbildner, meine Schatten, mein Atem in einem geschäftigen Werk. Ihre Positionierung hilft mir, den Übergang vom Vordergrund zum Hintergrund, von Intensität zu Ruhe auf natürliche Weise zu gestalten.
Im Zentrum steht das Herzstück von allem: Weiß und Malmittel. Ich arbeite mit mehreren Weißtönen – jeder ausgewählt aufgrund seines einzigartigen Verhaltens gegenüber Licht und Textur. Titanweiß für kräftige Deckkraft, Zinkweiß für subtile Transparenz und manchmal sogar ein warmes Mischweiß, wenn ich Weichheit brauche. Mein Malmittel steht direkt daneben – ein stiller Begleiter, der beim Fließen, Schichten und Verlängern der Lebensdauer der Farbe hilft.
Bei diesem Layout geht es nicht nur um Sauberkeit – es geht um Rhythmus. Meine Hände bewegen sich fast instinktiv von vorne nach hinten, von Wärme zu Kühle, von Ton zu Licht. Es spiegelt die Art und Weise wider, wie ich Emotionen und Strukturen in meinen Gemälden erlebe. Es entsteht eine visuelle und physische Choreografie, ein Tanz, zu dem ich in jeder Sitzung zurückkehre.
Natürlich kann es passieren, dass die Palette unordentlich wird. Ein Farbtupfer landet dort, wo er nicht hingehört, oder ich mische mittendrin, wenn ich im Fluss bin. Aber selbst dann ist die Struktur dahinter vorhanden – ein ruhiger Rahmen, der Raum für Freiheit lässt.
Eine Palette zu haben, die meine Gedanken und Gefühle widerspiegelt, macht das Malen nicht nur einfacher, sondern auch persönlicher. Sie wird zu einer Karte meiner Entscheidungen, einem Tagebuch meiner Entscheidungen. Und mit der Zeit erzählt sie ihre eigene Geschichte.
Wenn ich also vor einer neuen Leinwand stehe, ist diese Palette mein Ausgangspunkt. Sie ist vertraut und zugleich voller Überraschungen. Wie ein vertrauter Freund gibt sie mir Halt – und gleichzeitig treibt sie mich an, neue Kombinationen, neue Stimmungen und neue Ebenen zu erkunden.
Denn letztendlich geht es beim Malen nicht nur um Farbe. Es geht darum, wie wir unser Chaos organisieren, wie wir Schönheit in der Struktur finden und wie eine einfache Reihe von Pigmenten die Tür zu etwas viel Größerem öffnen kann.




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